NIPT auf Trisomien: Untersuchung und Beratung
Praena-Test zur vorgeburtlichen Untersuchung auf Down-Syndrom umstritten
Rechtsgutachten zum Praena-Test
Rechtsgutachten zum umstrittenen Praena Test
Das Konstanzer Unternehmen „LifeCodexx“ hat einen vorgeburtlichen Bluttest zur Feststellung eines möglichen Down-Syndroms bei Ungeborenen entwickelt. In diesem Monat sollte der Praena Test freigegeben werden. Nun aber wurde festgestellt: Er ist kein zulässiges Diagnosemittel nach dem Gendiagnostikgesetz. Das durch Prof. Klaus Ferdinand Gärditz veröffentlichte Rechtsgutachten bestätigt damit viele Kritiker.
Gefährdung ungeborenen Lebens
Weiterhin befindet das Gutachten den Praena Test als nicht verkehrsfähiges Produkt, da es sowohl die Sicherheit als auch die Gesundheit des Ungeborenen gefährdet. Die zuständigen Landesbehörden sind per Gesetz ermächtigt, gefährdende Medizinprodukte wie den Praena Test zu verhindern. Der Test soll nach Angaben von LifeCodexx mit einer hohen Wahrscheinlichkeit das Down-Syndrom bei ungeborenen Kindern im mütterlichen Blut feststellen können. Dadurch ermöglicht er die Entscheidung für einen vorzeitigen Schwangerschaftsabbruch.
Hohe Abbruchsquote
Befürworter des Test sprechen davon, dass er lediglich die, das Ungeborene gefährdende, Fruchtwasseruntersuchungen gegen eine risikoärmere Methode ersetze und auf jeden Fall ohne strafrechtliche Konsequenzen auf den Markt kommen wird. Jedes Jahr wird bei den 30.000 durchgeführten Fruchtwasseruntersuchungen in Deutschland auch das Down-Syndrom festgestellt. Wenn dies der Fall ist, entscheiden sich die meisten Eltern, die Schwangerschaft abzubrechen. In den USA ist der Bluttest der Firma Sequenom bereits seit Oktober 2011 auf dem Markt und stellt mit einer Sicherheit von 98 Prozent eine Trisomie 13, 18 oder 21 fest. Dort befürchtet man bereits, die Down-Syndrom-Bevölkerung könne sich durch den Test dramatisch reduzieren. Auch hier werden 90 Prozent der Schwangerschaften nach der Diagnose Down Syndrom abgebrochen. „Ich befürchte, dass Menschen mit Down-Syndrom in den USA verschwinden werden,“ so Dr. Brian Sotko von der nationalen Down-Syndrom-Gesellschaft.
Kein medizinischer Zweck
„Der Test dient weder medizinischen noch therapeutischen Zwecken. Nach dem Gendiagnostikgesetz müssen aber gerade diese Zwecke für eine zulässige vorgeburtliche Untersuchung vorliegen. Down-Syndrom ist aber weder therapierbar, noch heilbar. Es geht beim Bluttest fast ausschließlich um die Selektion von Menschen mit Down-Syndrom. Er diskriminiert damit Menschen mit Down-Syndrom in der schlimmsten Form, nämlich in ihrem Recht auf Leben. Bereits heute wird in über 90 % aller Fälle abgetrieben, wenn ein Down-Syndrom beim Kind diagnostiziert wird. Mit dem neuen vermeintlich „einfacheren“ Test steht zu befürchten, dass die Rasterfahndung nach Menschen mit Down-Syndrom noch verstärkt wird“, stellt Hubert Hüppe fest.
Hüppe ist Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen. Er sprach anlässlich der Bundespressekonferenz zum Bluttest auf Down-Syndrom. Hüppe bemängelte überdies, Müttern würde durch den neuen Test eine risikoärmere Methode zur vorgeburtlichen Diagnostik vorgegaukelt. Jedoch gehe aber noch nicht einmal der Berufsverband niedergelassener Pränataldiagnostiker davon aus, dass invasive Methoden mit dem Bluttest überflüssig würden. „Gleichzeitig steigt der Druck auf Frauen, den angeblich risikoärmeren Test durchführen zu lassen und bereits bei auffälligem Befund abzutreiben. Frauen, die ein Kind mit Down-Syndrom austragen, werden sich zukünftig noch mehr rechtfertigen müssen“, so Hubert Hüppe.
Quelle: Pressemitteilung des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen
Diskussion um Praena Test
Heiße Diskussion um den Praena Test
Am 6. Juli 2012 veröffentlichte die Frankfurter Rundschau online einen Artikel von Karl-Heinz Karisch, der die Diskussion über den neuen pränatalen Bluttest von einer anderen Seite beleuchtet. Laut Karisch führe der CDU-Politiker Hubert Hüppe seit Jahren einen Glaubenskrieg gegen Abtreibung und das Selbstbestimmungsrecht von Frauen. Das Zitat Hüppes der „Rasterfahndung nach Menschen mit Down-Syndrom“ weise bereits in eine bestimmte Richtung. Professor Klaus F. Gärditz habe zudem mit seinem Gutachten falsch gelegen, so Karisch. Der Bluttest auf Trisomie 21 sei nicht illegal, da Gärditz Medizin mit Heilung gleichsetze, im Gesetz allerdings keine Rede davon sei. Solche Tests seien nicht nur erlaubt, sondern direkt mit der ärztlichen Verpflichtung verknüpft, betroffene Frauen auf einer Schwangerschaftskonfliktberatung hinzuweisen und damit auf die Möglichkeit einer Abtreibung.
Ein Test und zwei Seiten
In der Tat gibt es beim Praena Test zwei Seiten. Die eine Seite ist sicherlich, Frauen einen risikoarmen Test zu ermöglichen, der anders als Fruchtwasseruntersuchungen, das Leben und die Gesundheit des Ungeborenen nicht direkt gefährdet. Die andere Seite ist das langfristige Ergebnis einer solchen Möglichkeit. Die Fruchtwasseruntersuchung findet in der Regel zwischen der 15. und 18. Schwangerschaftswoche statt. Die Eltern warten bis zu drei Wochen auf ein bis zu 99 Prozent sicheres Ergebnis im Falle eines auffälligen Befundes. Bereits jetzt werden über 90 Prozent der ungeborenen Kinder, bei denen per Untersuchung ein Down-Syndrom diagnostiziert wird, abgetrieben. Dies bedeutet einen Spätabort, der zugelassen wird, wenn das seelische oder körperliche Wohl der Mutter gefährdet ist. Nun werden Befürchtungen laut, durch den neuen Test würden eventuell noch mehr Kinder mit Down-Syndrom abgetrieben.
Hohe Akzeptanz durch Risikoarmut?
Dem aktuellen Aspekten von Fruchtwasseruntersuchengen und Abtreibungen steht nun der Praena Test gegenüber, der laut Befürchtungen seiner Kritiker, von vielen Müttern, die eine Fruchtwasseruntersuchung aus Gründen der Risiken ablehnen, angenommen werden könnte. Gerade in einer Zeit, in der sich immer mehr Frauen für eine späte Schwangerschaft entscheiden, wird die Frage nach sicheren Untersuchungsmöglichkeiten größer. Frauen ab 35 entscheiden sich häufiger für spezielle Untersuchungen als jüngere Schwangere. Heute gibt es immer mehr Schwangere und Erstgebärende, die bereits mitte Vierzig sind.
Der Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery sagte gegenüber der Rheinischen Post: „Wir haben uns in der Vergangenheit für die Pänatal-Diagnostik entschieden und dies lässt sich nun nicht einfach rückgängig machen.“ Es sei besser den Bluttest anzuwenden, als auf gefährliche Fruchtwasseruntersuchungen zu bestehen, so Montgomery. Einen weiteren Aspekt gibt es beim neuen Test allerdings zu beachten, der zwar angesichts ethischer Fragen klein wird, aber die elterliche Entscheidung mit beeinflussen wird: Die aktuelle Diskussion zum Praena Test des Unternehmes LifeCodexx lässt meistens außen vor, dass dieser Test im Gegensatz zur Fruchtwasseruntersuchung nicht von den Krankenkassen übernommen wird. Die vermutlich rund 1.200 Euro müssen werdende Eltern, wenn der Test letztendlich auf den Markt kommen sollte, aus eigener Tasche zahlen.
Foto: www.barrierefrei-netz.de